Hasen-Pilze

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Meister Lampes Ehrentag wird zeitgleich gefeiert

Grund genug, den Hasen-Pilzen eine eigene Seite zu widmen.


Hasenpilze

Einige Pilze tragen Hasennamen. Bekannte Beispiele etwa sind der Hasenröhrling (Gyroporus castaneus), die Hasenpfote (Coprinopsis lagopus), der Eichhase (Polyporus umbellatus) und der Hasen-Stäubling (Lycoperdon utriforme).
Weniger bekannt ist der Hasen-Schneckling (Hygrophorus leporinus), ein seltener Pilz. Die Goldgelbe Koralle Ramaria aurea wird auch Hasenpratzl genannt und der Pfifferling auch Hasenöhrl. Letzteres sehen auch die Franzosen so, denn die nennen den Pfifferling u.a. Oreille de lièvre, Hasenohr. Die Basken auch: Oreja de liebre.

Die Herbst-Lorchel (Helvella crispa) ist den Spaniern ein weißes Hasenohr (Orella de llebre blanca) und ihr schwarzes Pendant, die Grubenlochel Helvela lacunosa, ein schwarzes Hasenohr (Orella de llebre negra).
Der Ockergelbe Trichterling (Clitocybe gibba), ein essbarer Pilz, heißt auf Katalanisch “Orella de conill”, was mit Kaninchenohr zu übersetzen ist. Die Wallonen sagen u.a. Orèye di lapin oder raye di robete (Hasenohr) zum Fleischroten Gallerttrichter Guepinia helvelloides.

Kompliziert wird es bei den Öhrlingen (Schlauchpilzgattung Otidea), das kommt vom griechischen otis, Ohr.
Beim Hasen-Öhrling (Otidea leporina) ist eigentlich noch alles klar: Schließlich weist ja schon der wissenschaftliche Artname auf den Hasen hin und wird in den Sprachen Europas entsprechend übersetzt: Oreille de lièvre (FR), Rabbit´s Ear (GB), Orella de llebre (ES), Echt Hazeoor, Echt Hazenoor (NL), Hareøre-Bægersvamp, Hare-Ørebæger (DK), Hareøre (NO), Litet Haröra (SE), Kangasjäniksenkorva, Jäniksenkorvasieni (FI), U¹ko zajacie Ou¹ko zajecí,(SK), ou¹ko zajeèí (CZ), Zaķu ausene (LV), Jaenes-kõrvliudik (EE).

Richtig interessant wird es aber, wenn man die einzelnen Arten dieser Gattung betrachtet, denn da gibt es einen Wirrwarr, wie man ihn sich verwirrender kaum vorstellen kann. Ein geradezu tierischer Wirrwarr, denn für die Benennung der einzelnen Arten wurden die Ohren von Tieren herangezogen. Meistens von Eseln und Hasen, seltener von Katzen, Kröten, Schnecken, Schweinen und Elchen. Was bei uns ein Hasenohr ist, kann in anderen Ländern durchaus ein Eselsohr sein, und umgekehrt.
Und was bei uns ein Krötenöhrling ist (Otidea bufonia), ist bei den Niederländern ein dunkles Hasenohr  (Donker hazeoor).


Ohren - nicht nur von Hasen

Gestatten wir uns deshalb noch einen kleinen Abschweifer zu den Ohren:
Das Eselsohr (Otidea onotica), die Typusart der Gattung Otidea, Öhrlinge, hat in etlichen Ländern vergleichbare Namen: Etwa Oreille d'âne (F), Æsel-ørebæger (DK), Eseløre (N), Aasinkorva, Aasinkorvasieni (FIN), Usko oslie Ousko kornoutovité (SK), Oslovsko uho, usko kornoutovité  (SLO), uchówka osla (CZ), Nyúlfülegomba (HU), orella d’ase, Orella d’asa (E) Orella d'ase (P), Ezelu ausene (LV). Das ist kein Wunder, denn onotica bedeutet “zum Esel gehörend”. Umso unverständlicher die anderen, die dem Eselsohr einen Hasenohrennamen geben: Und zwar die Engländer (Hare's Ear), die Schweden (Stort Haröra) und die Wallonen (Oréye di lîve). Ganz aus der Reihe tanzen hier die Niederländer mit dem Gewoon Varkensoor, was Gemeines Schweinsohr bedeutet. Der Spazierstock-Öhrling (Otidea apophysata) hat seinen Namen von den typisch gekrümmten Paraphysen. Eines seiner Synonyme ist Otidea felina, was mit Katzen-Öhrling zu übersetzen wäre. Diese Art ist selten, Volksnamen anderer Länder konnten keine ermittelt werden. Der Kröten-Öhrling (Otidea bufonia) heißt auch im Englischen entsprechend: Toad´s ear, was ebenfalls Krötenohr bedeutet. (bufonius = zur Kröte gehörend). Otidea formicarum, was korrekt mit Ameisen-Öhrling zu übersetzen wäre, sieht nicht etwa aus wie eine Ameise, sondern wurde erstmals in einem Ameisenhaufen in einem Fichtenwald in Finnland gefunden.

A propos Ameise: Auf englisch heißt sie Ant. Den Begriff Ant gibt es auch im Katalanischen. Dort bedeutet er “Elch”. Es gibt auch Elchohren bei den Pilzen: Otidea grandis, auf Norwegisch Elgøre. Elch-Ohr. Doch gilt Otidea grandis heute als Synonym zu O. bufonia, womit wir wieder bei den Kröten wären.


Krötenstühle

Nun ja, der Begriff Krötenstühle (Toadstools in GB, Paddestoelen in NL und Poggensteul oder Poggenstöhl in einigen Gegenden an Deutschlands Nord- und Ostseeküste) für mehr oder weniger giftige Pilze ist ja hinlänglich bekannt. Die Öhrlinge gäben von der Form her recht hübsche Designer-Liegen ab. Krötenliegen...:

Ohrensessel Der Lurch liegt hier auf einer Art Lorchel, die früher auf Otidea auricula hören durfte und ein Öhrling war.
Heute heißt sie Wynnella auricula. Fotografiert hat sie Frank Röger.



Es sind in diesem Zusammenhang noch andere Tiere im Angebot:

Schnecken z.B.: Der Schnecken-Öhrling (Otidea cochleata) wird in einigen Ländern analog bezeichnet: Sneglehus-Ørebæger (DK), Sneglehusøre (N), Snäckskål (S). Andere benennen ihn mehr oder weniger als braunes Ohr: Brown Ear (GB), Oreille brun d'ombre (F), brun Ørebæger (DK). Nur die Holländer nennen ihn Gedrongen Hazenoor ... Wobei wir wieder beim Hasen wären.
Bleibt als vorletzte Art der Gattung Otidea noch der Zitronengelbe Öhrling (Otidea concinna). Und der wird heute von manchen Autoren der Gattung Flavoscypha zugeordnet und F. cantharella genannt. Die Volksnamensgebung ist , was Zitronen und Ohren anbelangt, ziemlich homogen: Citrongul ørebæger (DK), Fagerøre, Kantarelløre (N), Gullöra (S), Sitruunajänönkorva (FIN), Usko citrónovozlté Ousko citronové (SK) und uchówka cytrynowa (PL). Nur diese Niederländer, die nennen den Zitronenpilz Geel Varkensohr, gelbes Schweinsohr. Und der letzte Öhrling (Otidea auricula) ist die Ohrförmige Lorchel (GB: Ear-Shaped Otidea), die heute auf den Namen Helvella silvicola hört.
Bei den Lorcheln (Gattungen Helvella und Gyromitra) sind indes eine Reihe weiterer Ohrenpilze zu Hause, ganz besonders in Spanien. Um viele Pilznamen für einige wenige Pilze nicht verlegen, nennen sie die Gattung “Oreja del gato”, Katzenohr, und haben z.B. für die Herbstlorchel (Helvella crispa) Namen wie Orella de gat blanca, Orella de llebre blanca cat. (weißer Hase), oder Orellos do inverno (Winterohren). Und die Schwarze oder Grubige Lorchel (Helvella lacunosa) nennen sie Orellanzo, Oreja de gato negra (schwarze Katze), Orella de gat grisa (graue Katze), Orellon do outono (Herbstohr), Orellon mouro (dunkles Ohr) oder Orella de llebre negra (schwarzer Hase). Letzteres wurde ja oben schon kurz erwähnt, womit sich der Tierkreis schließt.
Last not least haben die Finnen den Begriff Korvasieni (Ohrenpilze) für die Frühjahrslorchel (Gyromitra esculenta) und einige andere Gyromitra-Arten reserviert. Aber das würde uns endgültig von den Hasen und vom Europäischen Pilztag entfernen...

Daher zum Schluss, um wieder zum Hasen zurückzukehren, noch einen Düngerling namens Panaeolus lepus-stercus. Das ist ein winziger, schwarzsporiger Blätterpilz, der auf Hasenköttelchen wächst. (lat. lepus = Hase, stercus = Mist). Es gibt viele, fast ausschließlich winzige Pilze, die auf Hasenköttelchen wachsen, aber nur wenige tragen Namen, die sich auf den Hasen oder seine Ausscheidungen beziehen.


Fürs Glück lieber einen Glückspilz als eine Hasenpfote

Es stimmt nämlich nicht, dass eine Hasenpfote Glück bringt. Der Hase hatte zuvor vier davon. Ob der Hase dem Pilztag Glück bringt, werden wir sehen.
Man muss es einfach probieren. Schließlich sind wir keine Hasenfüße und von Sinn, Zweck und Ziel der Aktion überzeugt.

Grubenlorchel Helvella lacunosa Herbstlorchel Helvella crispa Ockerbrauner Trichterling Clitocybe gibba



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Hasenbovist Lycoperdon utriforme

Hasenbovist Lycoperdon utriforme
Foto: Wilhelm Schulz

Hasenbovist Lycoperdon utriforme

Hasenbovist Lycoperdon utriforme
im reifen Zustand.
Foto: Wilhelm Schulz

Hasen-Röhrling Gyroporus castaneus

Hasenröhrling Gyroporus cyanescens
Foto: Frank Röger

Hasen-Öhrling Otidea leporina

Hasen-Öhrling Otidea leporina
Foto: Fredi Kasparek

Hasenpfote Coprinops lagopus

Hasenpfote Coprinops lagopus

Rötlicher Gallerttrichter Guepinia helvelloides

Rötlicher Gallerttrichter Guepinia helvelloides
Foto: Wilhelm Schulz

Eichhase Polyporus umbellatus

Eichhase Polyporus umbellatus
Foto: Joschi Siembida

Hase mit Steinpilzen
Hasenroulade mit Steinpilzen